Niko Juranek  | Juli 23, 2023 min

Paul Millerds „The Pathless Path“: Wie man seinen eigenen Erfolg definiert

„The Pathless Path“ ist mehr als nur ein Buch über Arbeit; es ist eine Philosophie und ein Leitfaden für diejenigen, die den Mut haben, jenseits der traditionellen Pfade zu denken. Millerd untersucht die Geschichte und Philosophie der Arbeit, von Aristoteles bis zur modernen Zeit, und stellt die Frage, wie wir Bedeutung in unserer Arbeit finden können. Er fordert die Leser heraus, den „Standardpfad“ zu hinterfragen, der oft als der einzige Weg zum Erfolg angesehen wird, und stattdessen den „Pfadlosen Weg“ zu erkunden, einen Weg, der Unsicherheit und Unbehagen begrüßt und dennoch zu einem erfüllenden und sinnvollen Leben führt.

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Kurzzusammenfassung: The Pathless Path

Paul Millerd ist ein Autor, Berater und Denker, der sich auf die Themen Karriere, Arbeit und Lebensgestaltung spezialisiert hat. Mit seinem Hintergrund in Strategieberatung und einer Leidenschaft für die Erforschung alternativer Karrierewege, hat er seine Erfahrungen und Einsichten im Buch "The Pathless Path" zusammengefasst.

"The Pathless Path" ist mehr als nur ein Buch über Arbeit; es ist eine Philosophie und ein Leitfaden für diejenigen, die den Mut haben, jenseits der traditionellen Pfade zu denken. Millerd untersucht die Geschichte und Philosophie der Arbeit, von Aristoteles bis zur modernen Zeit, und stellt die Frage, wie wir Bedeutung in unserer Arbeit finden können. Er fordert die Leser heraus, den "Standardpfad" zu hinterfragen, der oft als der einzige Weg zum Erfolg angesehen wird, und stattdessen den "Pfadlosen Weg" zu erkunden, einen Weg, der Unsicherheit und Unbehagen begrüßt und dennoch zu einem erfüllenden und sinnvollen Leben führt.

Kernkonzepte, Key Learnings und Notizen zu "The Pathless Path" von Paul Millerd

Die Qual der (Job-) Wahl – welcher Pfad ist der richtige?

Besonders Menschen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen und sich fragen, welchen Job sie wählen sollen, fühlen sich sehr oft überfordert mit den vielen Möglichkeiten. Oft gibt es eine innere Stimme, Ideen, Sehnsüchte, die einen Hinweis geben, in welche Richtung sie geben wollen – die dann sofort auf äußeren Widerstand und Meinungen anderer prallen, warum dies auf keinen Fall gehe und sie unbedingt den berühmten "sicheren Job" wählen sollten. 

Millerd beschäftigt sich in seiner Tätigkeit mit der Art, Definition und Veränderung von "Arbeit". [1] Er zeigt seine Punkte anhand seines eigenen Werdeganges und unterscheidet dabei zwischen dem Standardpfad und dem pfadlosen Weg, welcher das Kernkonzept des Buches ist: Er gibt dabei nicht den einen richtigen Weg vor, sondern fordert die Vorstellung heraus, dass der Standardweg der einzige Weg sei, das Ziel zu erreichen.

1. Ein Leben in Sicherheit – der Standardweg

Der Standardpfad einerseits zeichnet sich nach Millerd durch eine Reihe von Entscheidungen und Errungenschaften aus, die man braucht, um als ein "erfolgreicher Erwachsener" angesehen zu werden. [2]

Dafür gibt es auch viele andere Bezeichnungen: Die Forscher Dorthe Berntsen und David Rubin sprechen von "Lebens-Skripten", die sie als "kulturell geteilte Erwartungen hinsichtlich der Reihenfolge und des Zeitpunkts von Lebensereignissen in einem protoytpischen Lebensverlauf" bezeichnen, die meist vor dem Alter von 35 Jahren geschehen (Bsp.: Einen Job zu bekommen, sich zu verlieben, zu heiraten, etc.). [3]

Das ist deswegen so relevant, weil diese Ereignisse einen ungleich großen Einfluss auf das Leben haben, während der Rest unserer Leben in Folge weitestgehend ungeschrieben bleibt und Menschen dann nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, weil sie niemand darauf vorbereitet hat.

In dieser Unsicherheit folgen dann die meisten Menschen diesen Skripten, von denen sie sich Sicherheit und eine Anleitung erhoffen.

2. Den eigenen Weg finden – der pfadlose Weg

Der pfadlose Weg andererseits ist deutlich schwerer zu greifen, weil es eben nicht die eine Regel, die eine Form gibt, wie dieser Weg aussieht:

"Wir sind nicht in der Lage zu begreifen, was er bedeutet." – David Whyte [4]

Millerd selbst sagt dazu, dass es eine große Herausforderung, vor allem eine Überwindung ist, sich auf diesen Findungsprozess einzulassen – besonders, wenn man dafür einen im Standardweg angesehenen Werdegang dafür aufgibt (wie in seinem Fall in der Strategieberatung bei McKinsey). Dies sei es aber wert, da wirklich großartige und einzigartige Dinge nur auf diesem scheinbar unsicheren Weg entdeckt werde könnten:

"Das, was einem von Natur aus völlig unbekannt ist, muss man in der Regel finden, und um es zu finden, muss man sich verirren." – Rebecca Solnit [5]

Auch bringt er in diesem Zusammenhang das chinesische Konzept "Wu wei" (无为) aus dem Daoismus vor: Dieses bedeutet wörtlich übersetzt "Nichthandeln" (im Sinne von Enthaltung eines gegen die Natur gerichteten Handelns) und stellt gleichzeitig auf eine tiefe Verbundenheit, ein Vertrauen mit der Welt ab. Der chinesische Philosoph Lao Tzu schrieb darüber bereits vor ca. 2.500 Jahren im Tao Te Ching:

"Man muss die Dinge immer weniger erzwingen, bis man schließlich zum Nichtstun kommt. Wenn nichts getan wird, bleibt auch nichts unerledigt. Wahre Meisterschaft erlangt man, indem man die Dinge ihren eigenen Weg gehen lässt. Man kann sie nicht erlangen, indem man sich einmischt." – Lao Tzu [6]

Um den eigenen "pfadlosen Weg" zu finden, brauche es zusammengefasst also Geduld, Mut, Vertrautes, Bewährtes und Gewohntes loszulassen und sich auf eine Reise einzulassen, die einem viel über sich selbst offenbart und durch Umwege, Experimente dann zu diesem Weg führe.

Die Herkunft der Arbeit, Accidental Meaning und die Generationenlücke

Die "Meaningful Work" Falle

Interessant sind die Ausführungen zur Herkunft der Arbeit, deren Entwicklung in der letzten Zeit zwar als jeweils der Zeit entsprechend und notwendig ansieht, aber im heutigen Kontext durchaus kritisiert. Er spricht insbesondere von der "Meaningful Work" Falle, wonach viele junge Menschen, besonders Generation Millenial und aufwärts, erkennen, dass der Standardweg für sie zwar per se nicht richtig sei, sie aber dann die falschen Kriterien heranziehen bzw. im Standardweg so nicht finden würden; so jagen manche in ständigen Statuskämpfen nach Prestige und Status, andere suchen was sie "erfüllt" und als "sinnvolle Arbeit" betrachten. Dies ist besonders verwirrend, da er in einer Selbstuntersuchung über 100 Slogans von namhaften Unternehmens gesammelt haben, die genau mit diesem Konzept werben, die sich Menschen auf der Suche nach Glück & Erfüllung erwarten. [7] Studien zeigen dazu aber, dass "echte Bedeutung" in dem Zusammenhang eher "mit gemischten, unangenehmen oder sogar schmerzhaften Gedanken und Gefühlen verbunden sind, nicht nur mit einem Gefühl von ungetrübter Freude und Glück". [8] Insofern komme es hier zu einer Diskrepanz zwischen den hohen Erwartungen und den tatsächlichen entscheidenden Umständen, wodurch es wiederum zu Enttäuschungen kommen kann.

Zufällige Bedeutung

Ein Problem sei auch, dass diese Einstellung oft von familiärem Umfeld, Erziehung, gesellschaftlichen Erwartungen geprägt werden, da dieser Druck von Generation zu Generation weitergegeben wird, auch wenn die zugrundeliegenden Umstände schon längt nicht mehr vorliegen würden.

Mit dem Begriff "Accidental Meaning" ("zufällige Bedeutung") ist hier eine zufällige oder unbeabsichtigte Bedeutung gemeint, die Menschen in der Vergangenheit in ihrer Arbeit gefunden haben, wobei besonders die Baby-Boomer-Generation genannt wird, die in einer Zeit einzigartiger wirtschaftlicher und historischer Umstände aufwuchs:

"Da die etablierten Karrieren für sie [die Babyboomer] funktioniert haben, können sie sich nicht vorstellen, dass sie nicht auch für ihre Kinder funktionieren werden." – Peter Thiel. [9]

Diese "zufällige Bedeutung" gilt für spätere Generationen, wie die Millennials, aber nicht mehr in gleichem Maße, da sich die wirtschaftlichen Bedingungen, die sozialen Erwartungen und die Arbeitslandschaft verändert haben und die alten Pfade nicht mehr dieselbe Erfüllung oder Bedeutung bieten. Millerd fordert deswegen die Leser auf, den "Pfadlosen Pfad" zu erkunden und eine bewusstere, individuellere Beziehung zur Arbeit und zum Leben zu entwickeln, anstatt sich auf die zufälligen Bedeutungen der Vergangenheit zu verlassen.

Er verweist hier auf die Geschichte, wo in längsten Zeit, darunter von Aristoteles, Arbeit nur als notwendiges Übel betrachtet wurde, aber nicht als Ziel des Lebens, welches eben Eudamonia (Glück / Gedeihen) am pfadlosen Weg wäre. 

Optimierung für den Lebenslauf und Bullshit Jobs

Als weiteres Konzept nennt der den Begriff "hoop jumper" (Anm.: "Reifenspringer"), der auf den Autor und ehemaligen Yale-Professor William Deresiewicz zurückgeht: Damit drückt dieser seine Sorge aus, dass seine Student*innen zunehmend mehr besorgt waren, gute Noten zu schreiben und weitere Punkte zu ihren Lebensläufen zu ergänzen, anstatt ihre Zeit an den besten Universitäten damit zu verbringen, ihrer Neugier zu folgen. [10] Die Student*innen entschieden daher ihr nächstes Praktikum, ihre nächsten Kurse anhand der Erfolgswahrscheinlichkeit, ihre Karriere zu verbessern und dadurch Erfüllung im Leben zu finden, anstatt sich auf Neugier, Interessen und Begabungen zu konzentrieren. Vor dieser Falle warnt auch Cal Newport in seinem Buch "So good they can't ignore you":

"Die Passionshypothese ist nicht nur falsch, sie ist gefährlich." – Cal Newport [11].

Auch Paul Graham sieht Status als falschen Motivator:

"Prestige ist ein starker Magnet, der sogar deine Überzeugungen über das, was dir Spaß macht, verdreht." – Paul Graham [12]

David Graeber geht sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnet die Jobs, für die sich die Studenten "optimieren", als "Bullshit Jobs", also bestimmte Arten von Tätigkeiten, die selbst diejenigen, die sie ausführen, als sinnlos oder überflüssig empfinden und die in modernen Wirtschaften weder notwendig sind, noch wirkliche Bedeutung oder Wert für die Gesellschaft haben. [13] Dennoch sind sie gefragt, weil sie oft Prestige brächten oder dies einfach vom Umfeld erwartet würde. In diesem Ton auch Seth Godin:

"Die gebildeten, hart arbeitenden Massen tun immer noch, was man ihnen sagt, aber sie bekommen nicht mehr, was sie verdienen." – Seth Godin [14]

Der einzige Ausweg, diese Unsinnigkeit zu vermeiden, ist nach Millerd, sich auf den pfadlosen Weg einzulassen – wie auch immer dieser im Ergebnis aussehen möge.

Den eigenen Weg finden – in 10 Schritten

Nachdem Millerd umfangreich auf die Gründe und Herausforderungen eingegangen ist, die einen am Wechsel vom Standardpfad zum pfadlosen Weg erwarten können, gibt er zusammenfassend zehn Empfehlungen mit, wie man den eigenen Weg bzw. mehr Bedeutung in der Arbeit finden könne:

  1. Stelle den Status Quo in Frage
  2. Reflektiere
  3. Finde heraus, was du zu bieten hast
  4. Halte inne und schalte ab
  5. Finde einen Freund
  6. Erschaffe etwas
  7. Gib großzügig
  8. Experimentiere
  9. Engagiere dich
  10. Sei geduldig

Er spricht dabei von den "experiments in living", also "Experimente im Leben", die man wagen müsse – also durchaus einen proaktiven Ansatz. Insgesamt zahle sich aber die Proaktivität aus und führe zu einem erfüllenden und sinnvollen Leben.

Fazit

In meiner Wahrnehmung hat das Buch ein großes Kernkonzept, nämlich die Empfehlung, sich trotz Unsicherheiten, Mühen, Gegenwind und Herausforderungen auf den pfadlosen Weg einzulassen.

Dies sind auch die Empfehlungen, die andere erfolgreiche Personen aussprechen – egal, ob man bei Paul Graham, Seth Godin, Steve Jobs, Cal Newport, Naval Ravikant oder anderen Größen nachliest, das Muster ist oft das gleiche ("sei nützlich, sei proaktiv, probiere aus, folge deinen Begabungen" etc.).

Wer also sich mit der Materie schon intensiv beschäftigt hat, wird hier auf viele Parallelen stoßen bzw. möglicherweise nicht all zu viel Neues an Input finden, jedoch sehr viele Beispiele und Ausgestaltungen, wie sich das Konzept in der Praxis äußert.

Millerd schildert dies sehr anschaulich und umfangreich an seinem eigenen Entwicklungsprozess und Werdegang. Das macht es gerade für Personen, die sich in einer ähnlichen Lage fühlen, sehr ansprechend, authentisch und nachvollziehbar. Wenn das der Grund ist, dass dadurch jemand Hoffnung bzw. ein Gefühl bekommt, es schaffen zu können und vielleicht den nächsten Schritt klarer sieht, dann ist das Lesen des Buchs bzw. seiner Quellen jedenfalls empfehlenswert.

Was könnte für dich der "pfadlose Weg" bedeuten?


Referenzen

  1. Paul Millerds Blog, Think Boundless (2018).
  2. Millerd, The Pathless Path – Imagining a New Story for Work and Life* (2022), 7.
  3. Berntsen/Rubin, Cultural Life Scripts Structure Recall from Autobiographical Memory, Memory & Cognition 32 (2004), 427.
  4. Whyte, The Three Marriages: Reimagining Work, Self and Relationship* (2010).
  5. Solnit, A Field Guide to Getting Lost* (2006).
  6. Tzu/MitchellTao Te Ching: An Illustrated Journey* (1999).
  7. Millerd, 100+ Examples of Culture PR, Twitter Posting vom 28.01.2021.
  8. Bailey/MaddenWhat make Work meaningful – or meaningless?, MIT Sloan Management Review 57 (2016), 53 (61).
  9. Thiel, Zero To One: Wie Innovation unsere Gesellschaft rettet* (2014).
  10. DeresiewiczExcellent Sheep: The Miseducation of the American Elite and the Way to a Meaningful Life* (2015).
  11. Newport, So Good They Can't Ignore You* (2016), 24.
  12. Graham, How To Do What You Love (2006).
  13. Graeber, Bullshit Jobs: Vom wahren Sinn der Arbeit* (2018).
  14. Godin, Linchpin: Are You Indispensable?* (2018).

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Mag. Nikolaus Juranek

Mag. Nikolaus Juranek ist Jurist und Dipl. Lehrtrainer für Erwachsenenbildung. In seinen Artikeln beschäftigt er sich damit, wie man sich praxisrelevante Skills und Fähigkeiten aus den verschiedensten Bereichen aneignet, um in Beruf, Hobby und Privatleben zu wachsen und in dem, was man macht, neue Standards setzt.

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